MoniSamira
Wer in die Wüste hineingeht, kommt als ein Anderer zurück (arabisches Sprichwort)
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Marokko - Tour April 2017

Marrakesch - Merzouga - Ouarzazate - Marrakesch

in diesem Jahr hatte ich mich entschlossen ganz allein und ohne Begleitung durch Marokko zu reisen und auch einige Tage in der Wüste zu verbringen. Die Idee dazu kam mir bei meinen vorherigen Reisen. Ich wollte etwas abseits der Touristenpfade Land und Leute richtig kennenlernen. Durch die sozialen Medien ist es ja heute keine Problem mehr, Kontakte in das Land zu knüpfen und Ideen sowie Vorschläge zu erhalten. In Youssef, von morocco-exploration-trips, habe ich einen erfahrenen jungen Mann kennengelernt, der mir bei der Planung und vor allem bei einem Teil der Organisation meiner Reisewünsche im Raum Merzouga mit Tipps und Vorschlägen sehr behilflich war. Er hatte mir vorab Vorschläge zugesandt, die ich entsprechend abändern, erweitern oder bestätigen konnte. Hier noch einmal meinen Dank an Youssef. Ich wurde nicht enttäuscht, meine Erwartungen wurden erfüllt. Er stellte mir Guides an die Seite, von denen ich respektiert wurde und mich auch sicher fühlte. Trotzdem wurde auf meine individuellen Wünsche eingegangen und es hat sich nie wie das Abarbeiten eines Programmes angefühlt. Im Gegenteil, alle Bitten und Wünsche wurden mir fast von den Augen abgelesen. Said und Rachid haben einen hervorragenden Job gemacht. Teilweise haben sie mich sogar in ihr Privatumfeld einbezogen. Danke an dieser Stelle für diese tollen Erfahrungen. Eigentlich hatten sie es mit mir nicht leicht, da ich fast kein Englisch spreche. Trotzdem hat wider Erwarten die Verständigung irgendwie geklappt, wenn auch manchmal meinerseits etwas holprig: „Jungs, ihr habt mir manchmal leid getan. Ich hoffe, es war für euch nicht allzu anstrengend, SHUKRAN und TANMIRT!“ Sämtliche anderen Unternehmungen habe ich dann allein recherchiert, organisiert und durchgeführt. Hier nun Näheres zu meiner 14-tägigen Reise: Ich buchte mir in Deutschland nur die Flüge sowie die Übernachtungen in einem einfachen Riad für die ersten Tage in Marrakesch. Um dem für uns lästigen Aushandeln des Taxipreises nach der Ankunft am späten Abend aus dem Wege zu gehen, hatte ich mich vorab mit dem Riad in Verbindung gesetzt. Mir wurde sofort die Organisation des Transfers angeboten. Ich habe selbstverständlich angenommen und kam deshalb auch schnell und sicher im Riad an. Das Riad Dar Othman ist ein kleines Riad inmitten der Medina, landestypisch ausgestattet und sauber. Ich habe mich bei Hassan wohlgefühlt und das Frühstück war super. Man muss allerdings wissen, dass diese kleinen und preisgünstigen Unterkünfte im Zentum von Marrakesch meistens weder über Klimaanlagen bzw. TV verfügen, aber W-LAN (WiFi) steht oft kostenlos und in guter Qualität zur Verfügung. Am nächsten Tag führte mich dann mein erster Weg zum Djemaa el Fna, dem berühmtesten Anziehungspunkt für Touristen in Marrakesch. Ich hatte sämtliche Fotoabzüge der letzten Jahre dabei und begab mich auf die Suche nach den damals abgelichteten Personen. Ob Gnaoua-Musiker, Tänzer, Schlangenbeschwörer, Wasserverkäufer usw., alle freuten sich, ihre Fotos von meinem letzten Besuch zu bekommen. Dadurch kamen wir auch sofort ins „Gespräch“. Ich konnte wieder fotografieren sooft ich wollte. Ansonsten legt man am besten vor dem Fotografieren ein Bakschisch (1 - 2 €) hin. Wer heimlich fotografiert, sollte nicht darauf hoffen, sich unbehelligt davonschleichen zu können. Meistens beginnt dann eine unschöne Diskussion, die doch nicht sein muss! Oft ist es die einzige Einnahmequelle der Menschen und sie ernähren damit ganze Familien. Ich war nicht das erste Mal in Marrakesch und habe eigentlich fast alle Sehenswürdigkeiten schon besucht. Trotzdem finde ich immer wieder Neues. Ich halte es so: „… der Weg ist das Ziel!“ Mit einem Stadtplan als Sicherheit in der Tasche komme ich dann irgendwann in Stadtteile und Gegenden, in die sich fast kein Tourist verirrt. Hier gibt es noch richtige Märkte, ohne Souvenir- Schnickschnack und ohne Klamotten Made in China. Hier kann man an einem Straßenstand wie die Einheimischen für kleines Geld essen und es ist ein Genuss, dies alles auszuprobieren. Man muss nur offen für alles sein, die andere Kultur respektieren und keine Vorurteile haben, dann wird dies alles zu unvergesslichen Erlebnissen. Zu einer Traditionen von mir ist der Besuch eines Hamam gleich zu Beginn des Urlaubes geworden. Man hat wirklich das Gefühl, Europa und der ganze Stress wird abgewaschen und man kommt wie aus einem Jungbrunnen heraus. Es gibt sehr viele solche Einrichtungen in Marokko. Für jeden Geldbeutel und für jeden Geschmack ist etwas dabei. Wichtig sind nach meiner Meinung die Sauberkeit, das Können der Mitarbeiter und der Preis, nicht unbedingt die Schönheit der Ausstattung. Ich liebe eher die traditionelleren und nicht die, die extra für Touristen in den Hotels erschaffen wurden. Auf der sicheren Seite ist man, wenn man sich vorher alles anschaut und darauf achtet, wie entspannt es zugeht und dann erst einen Termin ausmacht. Keiner wird es einem verübeln, wenn man nach der Besichtigung wieder geht… auf jeden Fall ist mir das noch nicht passiert. Nach 2 Tagen in Marrakesch ging es dann mit einem Bus nach Merzouga. Das Ticket (22 Euro) hatte ich mir schon am Vortag geholt und konnte so entspannt mit einem Taxi zur Busstation. Die Fahrt von Marrakesch bis nach Merzouga dauerte ca. 12 Stunden, mit diversen Pausen. Es ist etwas anstrengend, aber die Erwartung und die Vorfreude lassen die Zeit vergehen. Die schlimmste, weil kurvenreichste Strecke, ist gleich am Anfang über den Pass des “Tizi‘n Tichka”. Ich habe eigentlich keinerlei Probleme mit Reise- übelkeit, aber dieses Mal habe ich zu einem Reisekaugummi greifen müssen, da es mir doch etwas mulmig in der Magengegend wurde. Während der Weiterfahrt kann man sich im Bus zurücklehnen, die Landschaft genießen oder mit Mitreisenden die Zeit bei Gesprächen angenehm überbrücken. Am späten Abend angekommen, wurde ich am Bus empfangen (von Youssef organisiert) und zu meiner Auberge gefahren. Dort gab es noch Tee zur Begrüßung und ein reichhaltiges Abendessen: Harirra-Suppe und Tajine. Die Auberge Camping La Liberté ist eine traditionelle, einfache und landestypische Unterkunft an der Peripherie von Merzouga. Sie hat geräumige Zimmer mit Dusche sowie im Außenbereich Stellplätze für Wohnmobile oder Zelte mit separaten Duschen / Toiletten. Sie ist auch gut geeignet für Ausflüge in die Wüste bzw. Mehrtagestouren in Wüstencamps. Das Essen ist sehr gut, die Mitarbeiter sind stets bemüht, den Aufenthalt angenehm zu gestalten. Ich war mehrere Nächte vor und nach meinem Wüstentripp hier. Auf Anfrage werden auch Ausflüge und sonstige Touren vermittelt oder von den Mitarbeitern durchgeführt. Am nächsten Tag schaute ich mich in Merzouga um. Es ist ein etwas verschlafener typischer Ort in der Provinz am Rande des Erg Chebbi, der größten Sanddüne Marokkos. Es gibt eine Hauptstraße mit kleinen Läden, Restaurants und Cafes sowie eine Oase. Hier lohnt es sich zu schlendern und die verschiedenen Anbauweisen von Obst und Gemüse anzusehen bzw. einfach mal Ruhe zu tanken. Am Rande von Merzouga sind mehrere Auberges, kleine und auch größere Hotels und Kamelstationen. An der Busstation gibt es einen Sammeltaxistand. In der Nähe von Merzouga liegt das Dorf Khamlia. Hier sind die meisten Berber des Bambara- Stammes (auch Gnaoua genannt) ansässig. Ein Besuch der „Groupe Des Bambara“ lohnt sich, da ihre Musik eine sehr lebendige Musik ist. Weiterhin kann man noch das Automuseum an der Hauptstraße Richtung Erfoud besuchen. Leider war es geschlossen. Und damit endet auch schon die touristische Infrastruktur. Am späten Nachmittag ging es dann mit anderen Touristen in einer Karawane zum Camp in der Wüste. Wobei ich die Einzige war, die mehrere Tage dort übernachten wollte. Leider hatte das Wetter nicht mitgespielt. Wir sind während eines Sandsturmes aufgebrochen. Nun kann ich nachvollziehen, warum alle Wüstenbewohner auf ihre Turbane (Cheche) und langen Kaftane schwören. Wie Nadelstiche treffen die feinen Sandkörner auf den Körper auf. Von Fotos vom Sonnenuntergang und Trommel-Musik am Lagerfeuer konnte ich also am ersten Abend nur träumen. Trotzdem, auch im Gemeinschaftszelt kam nach dem Essen Stimmung auf, denn was ein richtiger Berber ist, der lässt sich vom Sandsturm nicht die gute Laune verderben und die hatten wir dann alle. Trommeln können die Jungs, Rhythmus haben sie… es war der Wahnsinn! Alle haben wir getanzt und zum Schluss ließ dann auch der Sturm etwas nach. Rachid, mein Guide, hatte mir am Abend die Uhrzeit des Sonnenaufganges gesagt und so bin ich am zeitigen Morgen auf die Sanddüne und habe auf die Sonne gewartet. Es war zwar keine ganz klare Sicht, aber es war traumhaft schön. Ich kann es nun nachvollziehen, wenn es Menschen gibt, die in die Wüste gehen, um zu sich zu finden. Alles fällt von einem ab, man ist allein mit sich und der weiten Welt aus Sand… Nachdem die anderen Touristen das Camp verlassen hatten, gab es für mich ein supertolles Frühstück. Anschließend sind wir, Rachid, Bob (sein Dromedar) und ich, zu einer Berbersiedlung aufgebrochen. Hier haben wir fast den ganzen Tag verbracht. Ich konnte mich dort frei bewegen, zu anderen Berbern gehen und schauen. Freiheit pur, so zusagen! Zuzusehen, wie Youssef Abadir (Berberpizza) machte, war auch ein Erlebnis und dies dann gemeinsam zu essen und zu genießen… herrlich! Wie üblich, geht hier alles viel langsamer und ich hatte mich auch schon daran gewöhnt, die Hektik des Alltages abzulegen. So fiel es mir nicht schwer, in einem schattigen Eckchen zu schlafen, um anschließend wieder zum Camp zurück zu reiten. Hier waren inzwischen wieder neue Touristen eingetroffen und ich habe es genossen, mit ihnen zu essen und abends zur Trommelmusik zu tanzen. An nächsten Vormittag hieß es dann Abschied vom Camp zu nehmen und wir ritten in einer kleinen Gruppe zurück nach Merzouga. Hier bezog ich wieder ein Zimmer in der Auberge und verbrachte noch zwei Tage. Während dieser Zeit habe ich u.a. Rissani, Khamlia, die schwarze Wüste und Nomaden besucht. Rissani ist ein etwas größerer Ort, aber man hat das Gefühl, er ist noch nicht touristisch erschlossen und die Zeit irgendwie stehengeblieben. Der Ursprung von Rissani ist eng verbunden mit der Dynastie der Alawiden, die seit dem 17. Jh. über Marokko regiert. Die meisten fahren aber scheinbar nur durch oder halten zum Proviant einkaufen kurz an. Auf jeden Fall gibt es auch hier einen sehr großen, aber noch traditionellen Markt an 3 Tagen in der Woche. Nach 5 Tagen im Raum Merzouga war es leider schon wieder Zeit, weiterzureisen. Ich fuhr wieder mit dem Bus in Richtung Marrakesch zurück, habe aber dieses Mal einen Zwischenstopp für 2 Nächte in Ouarzazate eingelegt. Hier ist die „Taourirt Kasbah“ im Ort ein Besuch wert. Am Stadtrand sind 2 Filmstudios, die man besichtigen kann. Auch das ca. 25 km entfernte, wohl berühmteste Ksar von Marokko, Aït-Ben-Haddou, muss man gesehen haben. Es diente schon in mehreren amerikanischen Verfilmungen als Kulisse. Zur diesem Ksar bin ich am nächsten Tag mit einem Taxi gefahren. Für umgerechnet knapp 25 Euro hatte ich ein Taxi für mich allein für mehrere Stunden. Der Fahrer wartete 2 Stunden auf mich. Ich konnte somit ungestört alles in Ruhe besichtigen. Auf der Rückfahrt machten wir einen Stopp bei den „Oscar-Studios“. Auch hier konnte ich mir ohne Hektik alles anschauen, bevor ich wieder zum Hotel gefahren wurde. Es war ein wunderschöner Tag. Vor 3 Jahren, während einer Gruppenreise, ging alles im Eiltempo und wir konnten z.B. das Ksar nur von weitem sehen. Am nächsten Morgen fuhr ich dann wieder zum Ausgangspunkt meiner Reise zurück und blieb in Marrakesch die letzten 4 Nächte, ehe ich den Rückflug antreten musste. Hier habe ich mir noch einen Abend bei einer Dinnershow im Restaurant „Dar Essalam“ gegönnt. Eigentlich für Touristen gemacht, aber das Essen ist dort gut und wo kann man entspannt bei traditioneller Musik und Tanz in einem Palast aus 1001-Nacht speisen? Die Preise sind moderat und das Ambiente umwerfend. Der Abschied am letzten Abend von Land und Leute fiel mir sehr schwer, zumal ich wirklich viele Kontakte zu liebenswerten Menschen gefunden hatte. Ab einem gewissen Alter hat man beim Verabschieden immer öfter „Pippi in die Augen“, weil man nie weiß, ob es nicht das letzte Mal gewesen ist. Fotos…

Mein Fazit zu dieser Reise:

Es war einer meiner schönsten Urlaube überhaupt - unabhängig, frei und ohne Termindruck in einem Land, das mir ans Herz gewachsen ist. Ich würde es immer wieder so machen… ich habe mich zu keiner Zeit unwohl gefühlt. Ich habe mich immer gut aufgehoben und sicher gefühlt, umgeben von Menschen, die eine Liebenswürdigkeit aus ihrem Inneren strahlen lassen, dass man selber auch nur gute Laune und Freundlichkeit zurückgeben kann. Ich danke euch allen, Shukran und Tanmirt!

Ich komme zurück... Insh‘allah!

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Marokko - Tour April 2017

Marrakesch - Merzouga - Ouarzazate - Marrakesch

in diesem Jahr hatte ich mich entschlossen ganz allein und ohne Begleitung durch Marokko zu reisen und auch einige Tage in der Wüste zu verbringen. Die Idee dazu kam mir bei meinen vorherigen Reisen. Ich wollte etwas abseits der Touristenpfade Land und Leute richtig kennenlernen. Durch die sozialen Medien ist es ja heute keine Problem mehr, Kontakte in das Land zu knüpfen und Ideen sowie Vorschläge zu erhalten. In Youssef, von morocco-exploration-trips, habe ich einen erfahrenen jungen Mann kennengelernt, der mir bei der Planung und vor allem bei einem Teil der Organisation meiner Reisewünsche im Raum Merzouga mit Tipps und Vorschlägen sehr behilflich war. Er hatte mir vorab Vorschläge zugesandt, die ich entsprechend abändern, erweitern oder bestätigen konnte. Hier noch einmal meinen Dank an Youssef. Ich wurde nicht enttäuscht, meine Erwartungen wurden erfüllt. Er stellte mir Guides an die Seite, von denen ich respektiert wurde und mich auch sicher fühlte. Trotzdem wurde auf meine individuellen Wünsche eingegangen und es hat sich nie wie das Abarbeiten eines Programmes angefühlt. Im Gegenteil, alle Bitten und Wünsche wurden mir fast von den Augen abgelesen. Said und Rachid haben einen hervorragenden Job gemacht. Teilweise haben sie mich sogar in ihr Privatumfeld einbezogen. Danke an dieser Stelle für diese tollen Erfahrungen. Eigentlich hatten sie es mit mir nicht leicht, da ich fast kein Englisch spreche. Trotzdem hat wider Erwarten die Verständigung irgendwie geklappt, wenn auch manchmal meinerseits etwas holprig: „Jungs, ihr habt mir manchmal leid getan. Ich hoffe, es war für euch nicht allzu anstrengend, SHUKRAN und TANMIRT!“ Sämtliche anderen Unternehmungen habe ich dann allein recherchiert, organisiert und durchgeführt. Hier nun Näheres zu meiner 14-tägigen Reise: Ich buchte mir in Deutschland nur die Flüge sowie die Übernachtungen in einem einfachen Riad für die ersten Tage in Marrakesch. Um dem für uns lästigen Aushandeln des Taxipreises nach der Ankunft am späten Abend aus dem Wege zu gehen, hatte ich mich vorab mit dem Riad in Verbindung gesetzt. Mir wurde sofort die Organisation des Transfers angeboten. Ich habe selbstverständlich angenommen und kam deshalb auch schnell und sicher im Riad an. Das Riad Dar Othman ist ein kleines Riad inmitten der Medina, landestypisch ausgestattet und sauber. Ich habe mich bei Hassan wohlgefühlt und das Frühstück war super. Man muss allerdings wissen, dass diese kleinen und preisgünstigen Unterkünfte im Zentum von Marrakesch meistens weder über Klimaanlagen bzw. TV verfügen, aber W-LAN (WiFi) steht oft kostenlos und in guter Qualität zur Verfügung. Am nächsten Tag führte mich dann mein erster Weg zum Djemaa el Fna, dem berühmtesten Anziehungspunkt für Touristen in Marrakesch. Ich hatte sämtliche Fotoabzüge der letzten Jahre dabei und begab mich auf die Suche nach den damals abgelichteten Personen. Ob Gnaoua-Musiker, Tänzer, Schlangenbeschwörer, Wasserverkäufer usw., alle freuten sich, ihre Fotos von meinem letzten Besuch zu bekommen. Dadurch kamen wir auch sofort ins „Gespräch“. Ich konnte wieder fotografieren sooft ich wollte. Ansonsten legt man am besten vor dem Fotografieren ein Bakschisch (1 - 2 €) hin. Wer heimlich fotografiert, sollte nicht darauf hoffen, sich unbehelligt davonschleichen zu können. Meistens beginnt dann eine unschöne Diskussion, die doch nicht sein muss! Oft ist es die einzige Einnahmequelle der Menschen und sie ernähren damit ganze Familien. Ich war nicht das erste Mal in Marrakesch und habe eigentlich fast alle Sehenswürdigkeiten schon besucht. Trotzdem finde ich immer wieder Neues. Ich halte es so: „… der Weg ist das Ziel!“ Mit einem Stadtplan als Sicherheit in der Tasche komme ich dann irgendwann in Stadtteile und Gegenden, in die sich fast kein Tourist verirrt. Hier gibt es noch richtige Märkte, ohne Souvenir-Schnickschnack und ohne Klamotten Made in China. Hier kann man an einem Straßenstand wie die Einheimischen für kleines Geld essen und es ist ein Genuss, dies alles auszuprobieren. Man muss nur offen für alles sein, die andere Kultur respektieren und keine Vorurteile haben, dann wird dies alles zu unvergesslichen Erlebnissen. Zu einer Traditionen von mir ist der Besuch eines Hamam gleich zu Beginn des Urlaubes geworden. Man hat wirklich das Gefühl, Europa und der ganze Stress wird abgewaschen und man kommt wie aus einem Jungbrunnen heraus. Es gibt sehr viele solche Einrichtungen in Marokko. Für jeden Geldbeutel und für jeden Geschmack ist etwas dabei. Wichtig sind nach meiner Meinung die Sauberkeit, das Können der Mitarbeiter und der Preis, nicht unbedingt die Schönheit der Ausstattung. Ich liebe eher die traditionelleren und nicht die, die extra für Touristen in den Hotels erschaffen wurden. Auf der sicheren Seite ist man, wenn man sich vorher alles anschaut und darauf achtet, wie entspannt es zugeht und dann erst einen Termin ausmacht. Keiner wird es einem verübeln, wenn man nach der Besichtigung wieder geht… auf jeden Fall ist mir das noch nicht passiert. Nach 2 Tagen in Marrakesch ging es dann mit einem Bus nach Merzouga. Das Ticket (22 Euro) hatte ich mir schon am Vortag geholt und konnte so entspannt mit einem Taxi zur Busstation. Die Fahrt von Marrakesch bis nach Merzouga dauerte ca. 12 Stunden, mit diversen Pausen. Es ist etwas anstrengend, aber die Erwartung und die Vorfreude lassen die Zeit vergehen. Die schlimmste, weil kurvenreichste Strecke, ist gleich am Anfang über den Pass des “Tizi‘n Tichka”. Ich habe eigentlich keinerlei Probleme mit Reise- übelkeit, aber dieses Mal habe ich zu einem Reisekaugummi greifen müssen, da es mir doch etwas mulmig in der Magengegend wurde. Während der Weiterfahrt kann man sich im Bus zurücklehnen, die Landschaft genießen oder mit Mitreisenden die Zeit bei Gesprächen angenehm überbrücken. Am späten Abend angekommen, wurde ich am Bus empfangen (von Youssef organisiert) und zu meiner Auberge gefahren. Dort gab es noch Tee zur Begrüßung und ein reichhaltiges Abendessen: Harirra-Suppe und Tajine. Die Auberge Camping La Liberté ist eine traditionelle, einfache und landestypische Unterkunft an der Peripherie von Merzouga. Sie hat geräumige Zimmer mit Dusche sowie im Außenbereich Stellplätze für Wohnmobile oder Zelte mit separaten Duschen / Toiletten. Sie ist auch gut geeignet für Ausflüge in die Wüste bzw. Mehrtagestouren in Wüstencamps. Das Essen ist sehr gut, die Mitarbeiter sind stets bemüht, den Aufenthalt angenehm zu gestalten. Ich war mehrere Nächte vor und nach meinem Wüstentripp hier. Auf Anfrage werden auch Ausflüge und sonstige Touren vermittelt oder von den Mitarbeitern durchgeführt. Am nächsten Tag schaute ich mich in Merzouga um. Es ist ein etwas verschlafener typischer Ort in der Provinz am Rande des Erg Chebbi, der größten Sanddüne Marokkos. Es gibt eine Hauptstraße mit kleinen Läden, Restaurants und Cafes sowie eine Oase. Hier lohnt es sich zu schlendern und die verschiedenen Anbauweisen von Obst und Gemüse anzusehen bzw. einfach mal Ruhe zu tanken. Am Rande von Merzouga sind mehrere Auberges, kleine und auch größere Hotels und Kamelstationen. An der Busstation gibt es einen Sammeltaxistand. In der Nähe von Merzouga liegt das Dorf Khamlia. Hier sind die meisten Berber des Bambara-Stammes (auch Gnaoua genannt) ansässig. Ein Besuch der „Groupe Des Bambara“ lohnt sich, da ihre Musik eine sehr lebendige Musik ist. Weiterhin kann man noch das Automuseum an der Hauptstraße Richtung Erfoud besuchen. Leider war es geschlossen. Und damit endet auch schon die touristische Infrastruktur. Am späten Nachmittag ging es dann mit anderen Touristen in einer Karawane zum Camp in der Wüste. Wobei ich die Einzige war, die mehrere Tage dort übernachten wollte. Leider hatte das Wetter nicht mitgespielt. Wir sind während eines Sandsturmes aufgebrochen. Nun kann ich nachvollziehen, warum alle Wüstenbewohner auf ihre Turbane (Cheche) und langen Kaftane schwören. Wie Nadelstiche treffen die feinen Sandkörner auf den Körper auf. Von Fotos vom Sonnenuntergang und Trommel-Musik am Lagerfeuer konnte ich also am ersten Abend nur träumen. Trotzdem, auch im Gemeinschaftszelt kam nach dem Essen Stimmung auf, denn was ein richtiger Berber ist, der lässt sich vom Sandsturm nicht die gute Laune verderben und die hatten wir dann alle. Trommeln können die Jungs, Rhythmus haben sie… es war der Wahnsinn! Alle haben wir getanzt und zum Schluss ließ dann auch der Sturm etwas nach. Rachid, mein Guide, hatte mir am Abend die Uhrzeit des Sonnenaufganges gesagt und so bin ich am zeitigen Morgen auf die Sanddüne und habe auf die Sonne gewartet. Es war zwar keine ganz klare Sicht, aber es war traumhaft schön. Ich kann es nun nachvollziehen, wenn es Menschen gibt, die in die Wüste gehen, um zu sich zu finden. Alles fällt von einem ab, man ist allein mit sich und der weiten Welt aus Sand… Nachdem die anderen Touristen das Camp verlassen hatten, gab es für mich ein supertolles Frühstück. Anschließend sind wir, Rachid, Bob (sein Dromedar) und ich, zu einer Berbersiedlung aufgebrochen. Hier haben wir fast den ganzen Tag verbracht. Ich konnte mich dort frei bewegen, zu anderen Berbern gehen und schauen. Freiheit pur, so zusagen! Zuzusehen, wie Youssef Abadir (Berberpizza) machte, war auch ein Erlebnis und dies dann gemeinsam zu essen und zu genießen… herrlich! Wie üblich, geht hier alles viel langsamer und ich hatte mich auch schon daran gewöhnt, die Hektik des Alltages abzulegen. So fiel es mir nicht schwer, in einem schattigen Eckchen zu schlafen, um anschließend wieder zum Camp zurück zu reiten. Hier waren inzwischen wieder neue Touristen eingetroffen und ich habe es genossen, mit ihnen zu essen und abends zur Trommelmusik zu tanzen. An nächsten Vormittag hieß es dann Abschied vom Camp zu nehmen und wir ritten in einer kleinen Gruppe zurück nach Merzouga. Hier bezog ich wieder ein Zimmer in der Auberge und verbrachte noch zwei Tage. Während dieser Zeit habe ich u.a. Rissani, Khamlia, die schwarze Wüste und Nomaden besucht. Rissani ist ein etwas größerer Ort, aber man hat das Gefühl, er ist noch nicht touristisch erschlossen und die Zeit irgendwie stehengeblieben. Der Ursprung von Rissani ist eng verbunden mit der Dynastie der Alawiden, die seit dem 17. Jh. über Marokko regiert. Die meisten fahren aber scheinbar nur durch oder halten zum Proviant einkaufen kurz an. Auf jeden Fall gibt es auch hier einen sehr großen, aber noch traditionellen Markt an 3 Tagen in der Woche. Nach 5 Tagen im Raum Merzouga war es leider schon wieder Zeit, weiterzureisen. Ich fuhr wieder mit dem Bus in Richtung Marrakesch zurück, habe aber dieses Mal einen Zwischenstopp für 2 Nächte in Ouarzazate eingelegt. Hier ist die „Taourirt Kasbah“ im Ort ein Besuch wert. Am Stadtrand sind 2 Filmstudios, die man besichtigen kann. Auch das ca. 25 km entfernte, wohl berühmteste Ksar von Marokko, Aït-Ben-Haddou, muss man gesehen haben. Es diente schon in mehreren amerikanischen Verfilmungen als Kulisse. Zur diesem Ksar bin ich am nächsten Tag mit einem Taxi gefahren. Für umgerechnet knapp 25 Euro hatte ich ein Taxi für mich allein für mehrere Stunden. Der Fahrer wartete 2 Stunden auf mich. Ich konnte somit ungestört alles in Ruhe besichtigen. Auf der Rückfahrt machten wir einen Stopp bei den „Oscar-Studios“. Auch hier konnte ich mir ohne Hektik alles anschauen, bevor ich wieder zum Hotel gefahren wurde. Es war ein wunderschöner Tag. Vor 3 Jahren, während einer Gruppenreise, ging alles im Eiltempo und wir konnten z.B. das Ksar nur von weitem sehen. Am nächsten Morgen fuhr ich dann wieder zum Ausgangspunkt meiner Reise zurück und blieb in Marrakesch die letzten 4 Nächte, ehe ich den Rückflug antreten musste. Hier habe ich mir noch einen Abend bei einer Dinnershow im Restaurant „Dar Essalam“ gegönnt. Eigentlich für Touristen gemacht, aber das Essen ist dort gut und wo kann man entspannt bei traditioneller Musik und Tanz in einem Palast aus 1001-Nacht speisen? Die Preise sind moderat und das Ambiente umwerfend. Der Abschied am letzten Abend von Land und Leute fiel mir sehr schwer, zumal ich wirklich viele Kontakte zu liebenswerten Menschen gefunden hatte. Ab einem gewissen Alter hat man beim Verabschieden immer öfter „Pippi in die Augen“, weil man nie weiß, ob es nicht das letzte Mal gewesen ist. Fotos…

Mein Fazit zu dieser Reise:

Es war einer meiner schönsten Urlaube überhaupt - unabhängig, frei und ohne Termindruck in einem Land, das mir ans Herz gewachsen ist. Ich würde es immer wieder so machen… ich habe mich zu keiner Zeit unwohl gefühlt. Ich habe mich immer gut aufgehoben und sicher gefühlt, umgeben von Menschen, die eine Liebenswürdigkeit aus ihrem Inneren strahlen lassen, dass man selber auch nur gute Laune und Freundlichkeit zurückgeben kann. Ich danke euch allen, Shukran und Tanmirt!

Ich komme zurück... Insh‘allah!

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